Immer wieder erkältet? Was dir die Chinesische Medizin über deine Infektanfälligkeit sagen kann

Immer wieder erkältet? Was dir die Chinesische Medizin über deine Infektanfälligkeit sagen kann

Es gibt Menschen, die tragen jeden Infekt aus dem Wartezimmer, aus dem Bus, aus dem Kindergarten mit nach Hause. Ich kenne mich da aus – ging mir selbst viele Jahre so! Kaum ist der eine Schnupfen weg, kündigt sich der nächste an. Und dann gibt es die anderen, die mitten in der Erkältungswelle stehen und einfach gesund bleiben.

Aus schulmedizinischer Sicht sprechen wir dann schnell von einem „schlechten Immunsystem“. In der Chinesischen Medizin schauen wir etwas anders hin. Wir fragen nicht nur „Was fehlt dir?“, sondern auch „Wie geht das Leben gerade mit dir um – und du mit ihm?“
Denn deine Abwehr ist im Gesamtbild keine einzelne Instanz, die man an- oder ausschalten kann. Sie ist Ausdruck deiner persönlichen inneren Landschaft.

Das Immunsystem als schützende Hülle

In der TCM gibt es einen Begriff, der der Idee vom Immunsystem sehr nahe kommt: das Wei-Qi, die Abwehr-Energie.
Man kann es sich wie eine feine. Wärmende Schutzhülle vorstellen, die dich umgibt, die Poren öffnet oder schließt und entscheidet was hereindarf und was draußen bleibt.

Das Schöne – und für dich vielleicht überraschende – ist: An dieser Hülle arbeitet nicht ein, sondern gleich mehrere Organsysteme zusammen. Die Niere liefert die Ursprungswärme, das tiefe Fundament. Die Milz stellt aus deiner Nahrung die Energie her, aus der die Abwehr überhaupt gebaut wird. Und die Lunge verteilt diese Energie an der Oberfläche, dorthin, wo dein Kontakt mit der Welt stattfindet. Die Leber sorgt dafür, dass all das frei fließen kann und nicht ins Stocken gerät.

Wenn du also immer wieder für Infekte anfällig bist, lohnt die Frage, an welcher Stelle des Zusammenspiels es gerade hakt. Und fast immer erzählt der Körper dabei auch etwas über die Seele.

Die Lunge: Abgrenzung, Loslassen und die stille Trauer

Die Lunge steht in der TCM für die Grenze zwischen innen und außen – ganz genau genommen über die Haut und die Schleimhäute, aber auch im übertragenen Sinn. Wieviel lässt du an dich heran? Wie schnell formt das Leben dich und wo kannst du du selbst bleiben?

Die „Seele“ der Lunge ist Po, die Körperseele. Sie sortiert zwischen innen und außen, hält draußen, was du nicht brauchst und wirft raus, was zu viel ist. Und genau hier sitzt das große Thema der Lunge: das Loslassen. Was kannst du leicht gehen lassen? Woran hältst du fest, obwohl es dir längst nicht mehr guttut?

Die Emotion der Lunge ist die Trauer. Trauer in weiteren Schattierungen, als wenn du einen geliebten Menschen verlierst oder etwas Schweres passiert. Trauer kann auch eine leise Grundhaltung sein – eine Melancholie, eine innere Ausrichtung, die ein wenig instabil ist, eine leichte Schwermut. Dazu gehört für mich auch das Gefühl, nicht ganz stark genug für dieses Leben zu sein. Wenn die Lunge diese Themen über lange Zeit trägt, wird ihre schützende Hülle dünn.

Hilfe aus der Küche: Traditionell ist die Birne der Lunge zugeordnet, ebenfalls der wärmende Ingwer. Beide kombiniert in einem warmen Frühstück statt eines kalten Müslis, können eine gute Unterstützung für die Lungen- Energie sein.
Tief durchatmen, vor allem die Übungen aus dem Qigong unterstützen deine Lungen-Energie perfekt.

Die Leber: Stress, Frust und das unausgesprochene Nein

Leber sorgt dafür, dass deine Energie frei fließt – Geschmeidig, ungehindert, in Bewegung. Sie ist das Organ, dass am Empfindlichsten auf Stress reagiert. Und weil sie in der chinesischen Medizin über die Wandlungsphase Holz eng mit der Lunge verbunden ist – Das Metall der Lunge hält das Holz der Leber in Balance – Beeinflusst sie unmittelbar mit, wie widerstandsfähig du bleibst.

Hier begegnen uns die Themen Ärger und Wut – nicht nur die offen ausgetragenen. Genauso zählen dazu die stille Frustration, die Aggression, die sich gegen dich selbst richte und dieses ungelebte Nein: all das Nein-sagen dass du herunterschluckst, bis es sich staut. Wenn Die Energie der Leber stockt, verliert dein System an Kraft.

An dieser Stelle schließt sich der Kreis zur modernen Forschung: die Psychoneuroimmunologie beschreibt, wie eng unser emotionales Erleben und unsere Abwehrkräfte miteinander verwoben sind. Resilienz ist eben nicht nur ein Kopfthema – Sie sitzt im ganzen Körper. Die chinesische Medizin hat das immer schon so gesehen.

Aus der Küche: Die Leber mag es leicht bitter und ein wenig sauer – Grünes Blattgemüse, bitterer Salat, traditionell auch Löwenzahn. Weniger Alkohol, weniger gebratenes und fettes Entlasten sie. Und sie braucht Bewegung, damit die Energie wieder ins Fliesen kommt. Neben Qigong sind hier auch Dehnungen und im Freien laufen, spazieren, wandern wunderbar.

Die Milz: Grübeln, Feuchtigkeit und Schleim

Die Milz ist die große Mutter im Körper, die Nährende, die Ausgleichende. Aus dem, was du isst baut sie deine Energie und dein Blut auf. Ihre Geistseele ist das Yi, unser Denken und Sinnieren.

Und hier liegt ihre empfindliche Stelle: das Grübeln. Wenn du dein Innenleben immer wieder durchkaust, es zu verdauen versuchst und es dir nicht recht gelingt, dann leidet die Milz genauso, wie sie unter schwerem, kalten Essen leidet.  Sie beginnt, Feuchtigkeit anzusammeln und aus Feuchtigkeit wird mit der Zeit Schleim.

Das spürst du nicht immer nur als schweren Kopf und schweres Gewebe. Es zeigt sich ganz körperlich: eine Nase die dauernd verstopft und verschleimt ist, ein Husten mit viel Auswurf, eine gewisse Zähigkeit im ganzen System. In der chinesischen Medizin sagt man dazu sehr treffend: die Milz ist die Quelle des Schleims, die Lunge ist sein Behälter. Deshalb hängen ein grüblerischer Geist und eine verschleimte Erkältung oft enger zusammen, als man denkt.

Aus der Küche: Die Milz braucht Wärme und Gekochtes. Warme Suppen, gedünstetes Gemüse, gekochtes Getreide, Kürbis und Karotte. Kaltes, Rohes zu viel Zucker und Milchprodukte fördern dagegen die Feuchtigkeit. Und sie mag Ruhe beim Essen – langsam, in Frieden, gut gekaut.

Die Niere: Wärme, Urvertrauen und der tiefe Atem

Die Niere arbeitet nicht direkt am Immunsystem  – und trotzdem ist sie mir hier besonders wichtig. Denn sie ist das Fundament, auf dem alles andere ruht. Sie ist die Ursprungswärme, die Kraft, die dich von innen durchwärmt und trägt.

Mit der Lunge arbeitet sie eng zusammen: die Lunge schickt das Qi nach unten, die Niere erfasst es und verankert es. Deshalb ist tief durchatmen können auch ein Thema der Nieren. Ihre Geistseele ist der Wille – und emotional geht es hier um die Angst um ihre Verwandlung in Mut und ein echtes Urvertrauen ins Leben. Eine gute, ruhige Basis für alle anderen Energien.

Deine innere Landschaft

Du siehst: Infektanfälligkeit ist in diesem Bild selten nur eine Sache von zu wenig Vitamin C. Sie erzählt von deiner Wärme, deiner Verdauung im wörtlichen wie im seelischen Sinn, von deiner Fähigkeit dich abzugrenzen und loszulassen, und davon, wie frei sich dein Leben gerade anfühlt.

Das ist keine vorschnelle Diagnose. Es ist eine Einladung, genauer hinzuschauen – auf dem Körper und auf das Leben, dass du gerade führst. Wenn du beginnst, deine eigene innere Landschaft besser zu verstehen, kannst du sie liebevoll begleiten, statt gegen sie anzukämpfen.

Wenn du magst, schauen wir uns deine ganz persönliche innere Landschaft gemeinsam an. In meiner Praxis begleite ich dich dabei, deinen Körper aus dieser Sicht besser zu verstehen und liebevoll für dich zu sorgen. Wie eine Begleitung aussehen kann, erfährst du HIER.