Sind starke Regelschmerzen normal?
Ich sehe das anders. Häufig heißt nicht normal. In meiner Praxis sitzen viele Frauen, die jahrelang gehört haben: Das ist halt so, stell dich nicht so an. Und die irgendwann selbst geglaubt haben, sie müssten das jeden Monat einfach aushalten.
Wenn deine Regel dich regelmäßig lahmlegt, dann sagt dir dein Körper etwas. Es lohnt sich, hinzuhören.
Deine Schmerzen sind echt, auch ohne Befund
Gerade bei Endometriose ist mir eine Sache wichtig. Wie viele Herde eine Frau hat und wie stark ihre Schmerzen sind, hängt kaum zusammen. Es gibt Frauen mit ausgedehnter Endometriose, die kaum etwas spüren. Und es gibt Frauen mit nur wenigen kleinen Herden, die vor Schmerzen nicht arbeiten können.
Wenn du starke Schmerzen hast, dann hast du starke Schmerzen. Die musst du niemandem beweisen.
Trotzdem gehört eine gynäkologische Abklärung dazu, wenn deine Regel dich jeden Monat aus der Bahn wirft. Das ist kein Widerspruch zur chinesischen Medizin, sondern eine gute Grundlage.
Ein kleiner Test: Schau unter deine Zunge
Bevor ich dir erkläre, was aus Sicht der chinesischen Medizin hinter starken Regelschmerzen stecken kann, probier mal etwas aus.
Nimm einen Spiegel oder die Frontkamera deines Handys und such dir gutes Licht. Leg die Zungenspitze hinten an den Gaumen. Unter der Zunge siehst du jetzt zwei Venen.
Sind sie dünn und hell, ist alles gut. Sind sie dick, dunkel, vielleicht sogar geschlängelt? Dann ist das ein deutliches Zeichen für etwas, das wir in der chinesischen Medizin Blutstase nennen. Mehr dazu erfährst du in meinen YouTube-Videos.
Was ist eine Blutstase?
Auf Chinesisch heißt sie Xue Yu. Am einfachsten lässt sie sich mit einem Bild erklären.
Stell dir einen Fluss vor. Solange das Wasser fließt, ist alles in Ordnung. Sammeln sich aber Äste und Steine, oder ist zu wenig Wasser da, dann staut es sich. Und dort, wo es staut, entsteht Druck.
Genauso ist es mit deinem Blut. In der chinesischen Medizin gibt es dazu einen alten Satz: Wo es fließt, ist kein Schmerz. Wo es stockt, entsteht Schmerz.
Die Gebärmutter ist ein Ort, an dem jeden Monat viel Blut in Bewegung kommen muss. Kann es dort nicht frei fließen, spürst du das.
Woran du eine Blutstase erkennst
Bei der Regel:
- Der Schmerz ist stechend, nicht nur ziehend.
- Er sitzt immer an derselben Stelle.
- Druck auf den Bauch macht es schlimmer.
- Das Blut ist dunkel und hat Klumpen.
- Sobald die Klumpen abgegangen sind, wird es oft besser.
Im ganzen Körper:
Eine Blutstase zeigt sich nicht nur während der Periode. Typisch sind auch:
- stechende Schmerzen, die immer wieder an derselben Stelle auftauchen
- Besenreiser und Krampfadern
- schnell blaue Flecken
- dunkle, eher bläuliche Lippen
- eine violett gefärbte Zunge
Auch Endometrioseherde, Myome und Zysten sehen wir in der chinesischen Medizin oft im Zusammenhang mit einer Blutstase. Da hat sich über lange Zeit etwas festgesetzt.
Woher kommt eine Blutstase?
Vielleicht fragst du dich jetzt: Warum habe ich das? Die Antwort ist wichtig, denn genau dort kannst du ansetzen.
Kälte. Kälte zieht zusammen. Denk an Wasser, das im Winter immer langsamer fließt. Kälte im Unterbauch macht das Blut träge. Bei Regelschmerzen ist das die häufigste Ursache, die ich in meiner Praxis sehe.
Stress und unterdrückte Gefühle. In der chinesischen Medizin sagen wir: Das Qi führt das Blut. Wer ständig unter Druck steht, viel herunterschluckt und Ärger nicht herauslässt, bei dem staut sich zuerst das Qi. Und das Blut staut mit. Achtung: das bedeutet nicht, dass du mit deinen Gefühlen deine Erkrankung ausgelöst hast. Stress oder andere große Belastungen können aber einen Teil zum Kippen deines gesundheitlichen Gleichgewichts beitragen.
Erschöpfung. Fehlt dir die Kraft oder hast du zu wenig Blut, fließt der Fluss einfach zu langsam. Mehr zum Thema Blutmangel findest du in meinem Video dazu. Schau gerne auf YouTube.
Narben und Operationen. Jeder Eingriff im Bauchraum kann den Fluss stören, auch eine Bauchspiegelung oder ein Kaiserschnitt.
Wie die chinesische Medizin behandelt
Eine Blutstase, die sich über Jahre aufgebaut hat, löst sich nicht in zwei Wochen. Das sage ich jeder Frau gleich zu Beginn.
In meiner Praxis arbeite ich mit Akupunktur und chinesischen Kräutern. Wir brauchen mindestens drei Monate, also drei Zyklen. Bei schwereren Verläufen auch länger.
Warum so lange? Weil die chinesische Medizin mit deinem Zyklus arbeitet. In jeder Phase braucht dein Körper etwas anderes. Und Blut braucht Zeit, um sich zu erneuern.
Was ich immer wieder erlebe: Die Frauen, die dranbleiben, merken oft schon nach dem ersten oder zweiten Zyklus eine Veränderung. Und genau beim Dranbleiben hakt es am häufigsten. Der Tee schmeckt nicht, der Alltag kommt dazwischen, nach drei Wochen geht es etwas besser und man denkt, das reicht jetzt. Deshalb mein Rat: Bleib dran.
Was du selbst tun kannst
Spür nach, ob du warm bist
Leg deine Hand flach auf deinen Unterbauch. Fühlt er sich warm an oder eher kühl? Dann leg die Hand hinten auf dein Kreuzbein und auf dein Gesäß. Diese Bereiche sollten warm sein.
Halte dich warm
Achte darauf, dass Füße, Knie, unterer Rücken, Kreuzbein, Becken, Gesäß und Bauch warm bleiben. Hat sich etwas kühl angefühlt, wärm es auf. Reibemassagen, Qigong oder eine Wärmflasche helfen dir dabei.
Meide Kälte rund um deine Regel
Kurz vor und während deiner Periode solltest du dich keiner Kälte aussetzen. Das heißt:
- kein Eisbaden und keine kalten Duschen
- nicht in nassen Sachen im Schwimmbad sitzen
- nicht mit nassen Haaren nach draußen gehen
- nicht im Regen nass werden und einfach weiterlaufen
Ich weiß, Eisbaden liegt gerade im Trend, und viele Frauen machen es ganz bewusst für ihre Gesundheit. Rund um die Regel rate ich dir trotzdem davon ab.
Iss warm
Starte mit einem warmen Frühstück in den Tag, zum Beispiel mit Porridge, Hirsebrei oder etwas Gekochtem. Lass den kalten Smoothie und den Joghurt direkt aus dem Kühlschrank lieber weg.
Wärmende Gewürze wie Zimt, frischer Ingwer und Kurkuma bringen das Blut in Bewegung. Rote Bete ist ebenfalls wunderbar: Sie nährt das Blut und bewegt es zugleich.
Beweg dich sanft
Bewegung hilft, Stauungen zu lösen. Aber nicht auf Teufel komm raus. Extremsport direkt vor der Periode tut dir nicht gut.
Hör auf deinen Körper und spür nach, was er gerade wirklich braucht. Sanfte Bewegung, regelmäßig, bringt viel mehr als einmal in der Woche Vollgas.
Am besten eignet sich dafür Qigong. Es bringt Qi und Blut in Fluss, wärmt das Becken und beruhigt gleichzeitig dein Nervensystem.
Und was ist mit der Pille?
Viele Frauen bekommen bei starken Regelschmerzen die Pille verschrieben. Das verstehe ich gut. Sie nimmt die Schmerzen, und in manchen Situationen ist das auch richtig und wichtig.
Aus Sicht der chinesischen Medizin löst die Pille die Stauung allerdings nicht auf. Sie legt eher einen Deckel darauf. Viele Frauen erleben nach dem Absetzen, dass die Beschwerden zurückkommen, manchmal stärker als vorher. Und weil die Schmerzen unter der Pille verschwinden, wird eine Endometriose oft erst nach Jahren erkannt.
Triff diese Entscheidung deshalb bewusst und gemeinsam mit deiner Gynäkologin. Und auch wenn du die Pille nimmst, kannst du etwas für deinen Körper tun.
Ein Blick nach vorn: die Wechseljahre
In der chinesischen Medizin beobachten wir: Frauen, die gut im Fluss sind, kommen oft leichter durch die Wechseljahre. Es lohnt sich also, eine Blutstase jetzt anzugehen. Nicht nur für deine nächste Regel, sondern auch für die Jahre danach.
Regelschmerzen sind häufig, aber kein Schicksal
Du musst nicht jeden Monat einfach durchhalten. Dein Körper zeigt dir mit seinen Schmerzen, dass etwas nicht frei fließt, und daran lässt sich arbeiten.
Wenn du mit Qigong beginnen möchtest, findest du hier regelmäßig Online-Kurse für Frauen mit Regelschmerzen und Endometriose: zu den Kursen